Es war eine der grössten politischen Kundgebungen der letzten Zeit: Die Berner Altstadt war voll von friedlichen Demonstranten gegen das Covid-Zertifikat. Die Mainstream-Medien reden den Protest klein oder konzentrieren sich auf Nebenschauplätze.

Als ich von der Demonstration gegen die Ausweitung des Covid-Zertifikats am vergangenen Mittwoch, 8. September, las, war ich überrascht. Bluewin.ch titelte: «Tausend Personen demonstrieren gegen ‹Impfzwang durch Hintertür›». Tausend Personen, das ist nicht gerade viel, dachte ich. Um sicher zu sein, konsultierte ich weitere Medien. Beim zwangsgebührenfinanzierten SRG-Kanal Swissinfo war von «gut 1000 Menschen» die Rede, basierend auf einer Meldung der mit Staatsgeld gefütterten quasi-offiziellen Nachrichtenagentur SDA, die laut dem neuen Mediensubventionsgesetz noch mehr Subventionen erhalten soll.
Wer diese und andere Mainstream-Medien benutzte, musste unweigerlich zum Schluss kommen, dass der Protest gegen die Aushöhlung der Grundrechte im Zuge der regierungsamtlichen Corona-Massnahmen langsam abflacht. Umso überraschender waren dann die Bilder über die Demonstration, die in den sozialen Medien zu sehen war: Die Berner Altstadt war randvoll von Demonstranten. Sie füllten nicht nur den Bundesplatz, sondern auch die Gassen. Auf einen Blick stellte man fest, dass es Abertausende waren. Die Veranstalter sprechen in einer eher konservativen Schätzung von rund 15 000, andere Beteiligte gar von über 20 000.

 

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Verfälschung der Tatsachen

1000 oder 15 000 Demonstranten – das ist ein enormer Unterschied, wir sprechen hier von einem Faktor 15. Und es sage jetzt kein Schlaumeier, die zitierten Online-Medien hätten halt zu einem früheren Zeitpunkt berichtet, als noch nicht so viele Demonstranten dort gewesen seien. Online-Artikel werden laufend aktualisiert und verbessert. Hier geschah dies nicht. Man kann nur annehmen: ganz bewusst nicht. Das ist eine Verfälschung der Tatsachen.

 

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Linksextreme Reitschule als Quelle

Wie die subtile bis brachiale Steuerung der Leser läuft, zeigt eine weitere Episode: «20 Minuten» titelte einen Bericht über die Berner Demonstration für Grundrechte und Freiheit reisserisch mit «Hitlergruss, Hakenkreuze und Davidsterne an ‹Mass-Voll›-Demo in Bern». Für den Leser entstand so der Eindruck, als habe sich eine Horde von Rechtsextremen durch die Berner Altstadt gewälzt. Das hat zwar nichts mit der Realität der Abertausenden friedlichen und diversen Menschen zu tun, die für demokratische Rechte, für Gleichheit und gegen Ausgrenzung demonstrierten, aber es garantiert natürlich Klickzahlen und hilft ganz nebenbei, die Organisatoren der friedlichen Protestbewegung zu diskreditieren.

Apropos friedlich: Einige Linksextreme aus der Reitschulszene, die regelmässig aus ihrem rechtsfreien Raum heraus Übergriffe auf Andersdenkende und Polizisten verübt, versuchten die Demonstration zu stören. Ohne Erfolg. Dafür gelang den gewaltbereiten linksextremen Chaoten ein PR-Coup: Sie waren es, auf die sich «20 Minuten» bei dem zitierten Bericht als Quelle berief.